Auf dem Besucher Parkplatz von Ani habe ich gestern die Verantwortung zur ParkplatzBewachung von den Soldaten übernommen. Einfacher Job, es war nix los.

Meine StellplatzWahl muss ich noch optimieren.
Von Fremden keine Aufgaben übernehmen – gelernt,
Camper nach Möglichkeit in den Wind stellen, verhindert das Aufschaukeln des Camper – gelernt,
Nächtige nie unter einem FlaggenMast – wir lernen, mit aufkommendem Wind, schlägt das Leintuch sehr laut

An manchen Orten verweilt man länger als geplant, wandert umher, zieht den Reiseführer raus, liest den Bericht mehr als zweimal, geht nochmal zurück … die Geisterstadt Ani hat mich in seinen Bann gezogen.

Ani liegt im Nordosten der Türkei, 42 km von der Stadt Kars entfernt, auf einem abgelegenen dreieckigen Plateau mit Blick auf eine Schlucht, die die natürliche Grenze zu Armenien bildet. Die Besiedlung von Ani über fast 2500 Jahre war wohl seiner geografischen Lage zu verdanken, auf einem leicht zu verteidigenden Plateau, das von fruchtbaren Flusstälern umgeben war, an einem wichtigen Tor der Seidenstraßen nach Anatolien. 
Diese mittelalterliche Stadt, einst kulturelles und kommerzielles Zentrum an der Seidenstraße, zeichnet sich durch eine Architektur aus, die einen Überblick des mittelalterlichen Städtebaus schafft, der im Laufe der Jahrhunderte von aufeinanderfolgenden, wechselnden christlichen und muslimischen Dynastien aufgebaut wurde. 
Seit der Bronzezeit bewohnt, blühte Ani im 10. und 11. Jahrhundert auf, als es eine Hauptstadt des armenischen Königreichs wurde und von der Kontrolle über einen Zweig der Seidenstraße profitierte. Später, unter byzantinischer, seldschukischer und georgischer Herrschaft, behielt es seinen Status als wichtiger Knotenpunkt für Handelskarawanen bei und kontrollierte die Handelsrouten zwischen Byzanz, Persien, Syrien und Zentralasien. Die MongolenInvasion markierte, zusammen mit einem verheerenden Erdbeben und einer Änderung der Handelsrouten, den Beginn des Niedergangs der Stadt. Ani wurde im 18. Jahrhundert so gut wie aufgegeben. 

Begeistert von diesem wunderbaren Ort verlasse ich Ani. Die Reise geht weiter Richtung Süden. Entlang der türkisch armenischen Grenze. Die neu gebaute, 4 spurige Autobahn führt durch die Hochsteppe. Über weite Strecken bewegt man sich auf einer Höhe zwischen 1500 und 2000 m, überquert Pässe mit bis zu 2600 m. Die mittlere Temperaturen bei 25 C und eine niedrige Luftfeuchtigkeit lassen mich entspannt dahingleiten.

Ein wenig Spannung kommt lediglich an den militärischen Kontrollpunkten auf. Entlang der Grenze unterbricht ein Kontrollpunkt alle 20 km die Fahrt. Militär mit Panzerwagen kontrolliert den Verkehr. Im Gegensatz zu den LKWs, werde ich meist einfach durchgewunken. Zweimal wurde ich befragt, lediglich ein freundliches Fragen, woher ich komme, kurzer Blick in den Camper, Daumen hoch, ein letztes Lächeln und das war es dann auch.
Zwischen den Kontrollpunkten hielt ich einmal zum Photografieren an – keine gute Idee. Kaum hatte ich den Wagen verlassen und wollte ein Photo der Landschaft schiessen ( tut man nicht an der Grenze ), hielt auch schon ein ZivilFahrzeug an. 2 Beamte zeigten mir ihren Ausweis ( wer weiß, was da wieder drauf stand ), und erklärten das Photografieren hier nicht erlaubt ist. Freundliches Nachfragen woher ich komme ( kenn ich schon ) und ich konnte meine Fahrt fortsetzten.

Der Ararat versteckt sich wieder mal.
Aus der Ferne sehe ich bereits mein Ziel, der Ishak-Pascha-Palast in Dogubeyazit

Der Bau des Palastes begann 1685 und dauerte Jahrzehnte. Die Arbeiten wurden Ende des 17 Jahrhunderts abgeschlossen. Der Palast mehrmals beschädigt und immer wieder für einige Zeit verlassen, dann wieder teilweise restauriert. Im 18. Jahrhundert schädigte ein schweres Erdbeben den Palast, im Russisch-Türkischen Krieges wurde er erneut beschädigt und während des Ersten Weltkriegs wurde er abermals durch Schüsse beschädigt.
Später wurde der Palast als Verwaltungszentrum für das Gebiet und bis 1937 als Militärfestung genutzt.
Weitere Schäden addierten sich, als Steine aus dem Gebäude zum Bau neuer Häuser verwendet wurde.
Seit 2004 werden Restaurierung am Palast durchgeführt. Während der Restaurierung wurde ein neues Dach hinzugefügt, sowie Unterstände aus Holz und Glas über weite Teile des Palastes. Dadurch veränderte sich natürlich der historische Charakter des Palast. 

Die Restaurierungsarbeiten haben zwar den Charakter verändert, doch die Lage des Palast hoch über dem Tal ist einzigartig. Die Herrscher von damals wussten bereits wo die Traumgrundstücke zu finden sind.

Weiter geht die Fahrt an den Van See.
Die Suche nach einem Stellplatz ist heute nicht einfach. Am nördlichen SeeUfer gibt es eine Insektenplage. Auf der Abfahrt zum Strand erscheinen die InsektenSchwärme im ScheinWerferLicht wie ein Wand.

Morgen werde ich wohl die Windschutzscheibe gründlich reinigen ?!



Nachtrag …
das Original Bild für Herrn Matthau

… und das überarbeitete Bild
aus dem Post